Fit für den Winter de

Natur und Reiten auch in der kalten Jahreszeit genießen

Es ist so weit. Der Herbst hat offiziell angefangen und auch der Winter wird nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Die Tage werden kürzer un die Temperaturen fallen, doch wer will deswegen schon auf sein geliebtes Hobby verzichten? Equine Blog präsentiert jetzt die besten Tipps und Tricks, um sich auch bei Regen und Schnee trocken, warm und gutgelaunt auf’s Pferd schwingen zu können.

Füße und Beine warmhalten

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Dieser Satz ist so oft zitiert wie wahr. Und was für die Allgemeinheit gilt, gilt umso mehr für das Reiten. Denn auch wenn Reiten ein Sport ist, bewegen sich bestimmte Körperpartien während eines langen Ausritts verhältnismäßig wenig, ein häufiges Problem: gerade Füße, Hände und Knie frieren einem in der eisigen Luft ein. Hält man diese Partien warm, ist schon einigem Frust vorgebeugt.

Gerade im Winter gänzlich ungeeignet sind Gummistiefel, selbst mit dicken Socken halten diese kaum warm und sind auch nach oben hin nicht genügend gegen herabfallenden Schnee oder Regen abgedichtet. Auf nassem oder eisigem Untergrund sind sie rutschig und durch die dünne Sohle dringt sofort jegliche Kälte. Wer seinen Fuß im Winter besonders schützen möchte, muss aber nicht gleich zu teuren Thermoreitstiefeln greifen.

 Eine echte Alternative bieten wasserdichte Wanderschuhe, z.B. Lowa, und dazu Chaps aus Leder oder Neopren. Die Schnürschuhe sind zwar nicht deutlich günstiger als Winterstiefel, dafür sind sie aber ganz-jahres-tauglich und halten im Sommer gleichermaßen kühl wie im Winter warm. Durch die Schnürung ist es kein Problem bei frostigem Wetter noch ein paar Woll- oder Thermosocken hinein zu ziehen, die wenn sie lang genug sind auch unter den Chaps noch die Wade wunderbar warm halten.

Kommen wir zu den Knien. Durch die angewinkelte Form sind sie wind und wetter besonders ausgesetzt und auch auf die relativ wenig geschützten Oberschenkel gerät schnell Feuchtigkeit, die entweder direkt vom Himmel kommt oder durch das Streifen von Gräsern und Blättern aufgenommen wird. Und was feucht ist wird auch kalt. Daher sollten auch die Beine im Winter mindestens eine Extraschicht Isolierung bekommen. Auch hier muss aber nicht gleich ein neuer Satz Winterreithosen gekauft werden, einfacher, wenn nicht aufgrund des Zwiebelprinzieps sogar besser geeignet, ist hier lange Unterwäsche. Und wer jetzt schreit, dass ihm dann aber seine Reithose nicht mehr passe, der hat noch nie Unterwäsche aus Merinowolle getragen. Die besonders isolierende Wolle ist zu einem dünnen dehnbaren Gewebe verarbeitet, das kaum mehr aufträgt als eine durchschnittliche durchsichtige Strumpfhose, dafür aber gefühlte 10 mal mehr warm hält als die üblichen dicken Leggins zum darunter ziehen. Zugegeben: richtige Sportunterwäsche ist nicht ganz günstig, aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass sie mit nichts zu vergleichen ist. Sie schränkt die Bewegungsfähigkeit nicht ein, hält je nach Situation warm oder kühl  und transportiert gleichzeitig Feuchtigkeit nach außen ab. Dadurch qualifiziert sie sich nicht nur für die ganz kalten Tage, sondern wird zum sportlichen Begleiter in fast jeder Lebenslage. Zum Beispiel Icebreaker Bodyfit Leggings / ca. € 60. Für mich ein absolutes “must have”, am besten mit dem passenden Oberteil dazu. Beides ist erhältlich in gut sortierten Sport- oder Wanderläden.

Und wem das immer noch nicht reicht, der zieht sich im Winter noch ein paar dicke, wollige Stulpen über das Knie.

 Mehr als Jacke und Handschuh

Für den Oberkörper gilt grundsätzlich das Gleiche wie für die Beine. Was warm bleiben soll muss auch trocken gehalten werden und was absteht friert ein. Der dickste Wollpulli bringt nichts, wenn er nach 5 Minuten durchgeweicht ist und einem der Tau in den Kragen tropft. Daher: lieber ein oder zwei dünne, den Körper abdichtende und wärmende Schichten (z.B. ein Unterhemd aus Merino Wolle) anziehen und darüber eine leichte Regenjacke, die aber wirklich dicht hält, anstelle des gerade angesprochenen Wollpullis. Um sich vor eisig durch die Glieder fahrendem Wind gut zu schützen, eignen sich auch gut (möglichst lange) Softshell Jacken, die dank der dünnen aber gut isolierenden Unterschicht auch noch problemlos obendrüber passen. Merke: es ist zwar wichtig dichte und gut anliegende Kleidung zu tragen, wird es aber zu eng steht eine Jacke zum Beispiel nur noch mehr vom Körper ab und es wird trotzdem kalt. Empfindliche Nierenpartieen können auch beim Reiten gut mit einem Nierengurt geschützt werden, den es schon für wenig Geld im Motorradgeschäft gibt.

Gegen abgefrohrene Hände helfen, klar, Winterhandschuhe, die es im Reitbedarf gibt (auch hierbei vor allem darauf achten, dass sie keine Feuchtigkeit durchlassen!) und vielleicht ab und zu einfach mal auf die Hände setzen ;) Wer mag kann sich auch Neopren Unterhandschuhe zulegen, die es mittlerweile auch in einigen Reitsport- oder Outdoorgeschäften zu kaufen gibt. Wichtig auch hierbei ist, dass die Handschuhe gut mit dem Ärmel abschließen und die Kälte auch an dieser Stelle keine Chance hat hindurch zu kriechen. Wer länger und vielleicht sogar mit Gepäck unterwegs ist, der wärmt sich die kalten Finger ab und an, an einer heißen Tasse Tee aus der Thermoskanne.

Keinen “kühlen Kopf” bekommen

Ein weiteres A und O kalter Tage sind ganz klassisch Schal und Mütze. Der Schal schützt nicht nur die freiliegenden, sensiblen Hals Partien, sondern dichtet gleichzeitig das “Loch” zwischen Kragen und Hals ab, welches bei eigentlich allen Jacken ganz unweigerlich irgendwo entsteht. Je fluffiger der Schal, desto besser verdeckt er auch die kleinen Ritzen und bietet gleichzeitig erhöhten Schutz durch die Mehrlagigkeit. Platte, fest gewebte Wollschals sind vielleicht besser als nichts, aber sicherlich auch nicht zu empfehlen. Mein Favorit ist dabei ganz klar die baumwollene Kufiya, in Deutschland auch Shemag oder Palästinensertuch. Durch seine Viellagigkeit hält es wunderbar warm und lässt sich auch noch in den letzten Winkel im Kragen stopfen. Bei allzu eisigen Temperaturen schützt es höher gebunden auch noch Kinn und Nase und wird es tatsächlich mal nass, ist es in kürzester Zeit wieder trocken und einsatzbereit. Und obendrein ist es in entsprechenden Shops (am besten Soldaten/Trekking Bedarf) für sehr kleines Geld zu haben. Zum Beispiel für € 6 im Rangershop.

Über 40% der Körperwärme, würde man alleine durch die Kopfhaut verlieren, hieß es früher immer. Dass dies wohl auf einem etwas unglücklich organisierten Experiment beruht und daher nicht ganz der Wahrheit entspricht ist heutzutage klar (Oder ist es wirklich beinahe gleichwarm nur mit Mütze bekleidet, aber dafür sonst vollkommen nackt herum zu laufen?). Dennoch gilt es bei kalten Temperaturen natürlich auch den Kopf zu schützen, das ist schon alleine eine Frage des Wohlbefindens. Wer mag schon abgefrorene Ohren und Stirn? Bei Reitern sollte ja nun eigentlich schon eine erhebliche Kopffläche durch den Helm, der ja zumeist innen auch schon muckelig gepolstert ist, abgedeckt sein, doch gerade die angesprochenen Ohren frieren allzu oft doch noch im freien. Ein klassisches Stirnband, welches dünn genug ist um sicher(!) unter den Reithelm zu passen verschafft natürlich abhilfe, und wer es noch wärmer mag, ist mit einer Sturmhaube aus dem Motorrad- oder Armeebedarf bestens und supergünstig gerüstet. Je nach Gesichtsausschnitt werden damit Ohren, Stirn und Nase geschützt, und auch der kritische Hals/Schulter Übergang ist nochmal extra abgedichtet. Wem die Vorstellung damit auf dem Pferd zu sitzen zu komisch erscheint, dem sei gesagt, dass die Haube unter Helm und dickem Schal auch kaum noch auffällt und außerdem wollen wir uns doch warm halten und nicht eine Modenschau gewinnen, oder?

Allgemeines zur Wärme

Ein Geheimtip gegen allgemeines Frösteln ist auch: einfach einmal ohne Sattel reiten. Mit Po und Schenkeln in das warme Winterfell des Pferdes (gesetz dem Fall, das Pferd ist trocken ;) ) gekuschelt, gibt unser vierbeiniger Partner so viel Körperwärme an uns ab, das einem schon fast nicht mehr kalt sein kann. Wer es nicht ganz so extrem möchte, der kauft sich wenigstens ein kuscheliges Lammfell, z.B. von Loedau für seinen Sattel. Vorsicht aber! Ist dieser Bezug beim Reiten nicht durch Jacke oder Mantel abgedeckt, saugt er sich schnell mit Feuchtigkeit voll und wird so extrakalt.

Bei alle dem ist aber zu beachten: die Kleidung sollte dem Wetter immer angepasst sein. Und das heißt eben nicht, sich jedes mal in alles zu hüllen was da ist, sondern auch, sich an wärmeren Tagen nicht zu warm anzuziehen. Wenn es nur feucht aber nicht kalt ist reicht oft schon eine Regenjacke zum Schutz und auch an besonders trockenen, sonnigen Wintertagen, braucht man trotz Schnee und Eis deutlich weniger Kleidung als im 10 Grad wärmeren feucht-glitschigen Herbststurm. Außerdem produziert ein aktiver Reiter deutlich mehr Wärme, als er das bei einem 3 Stunden Schrittausritt täte. In diesem Fall gilt vor allem, nach dem Reiten trockene und warme Extrabekleidung am Stall zur Verfügung zu haben.

Bekleidungstips nochmal in Stichworten
  • nicht die Dicke der Kleidung, sondern vor allem die Qualität des Materials entscheidet über Wärme oder Kälte
  • mehrere dünne Schichten isolieren besser als eine dicke
  • den Körper unbedingt trocken halten; was feucht wird wird auch kalt
  • sich dicht anziehen, keine Ritzen z.B. am Rücken oder an den Handgelenken offen halten
  • bei der Wahl der Kleidung trotzdem auf den Wärmeaustausch achten, Hitzestaus vermeiden
  • nicht zu warm anziehen
  • empfindliche, abstehende und wenig bewegte Körperpartien wie Hände und Füße besonders schützen

Weiterführende Links zum Tema

Online Shop ASMC (Adventure, Security, Military, Camping) – führt viele der angesprochenen Kleidungsstücke
Ranger Shop – ähnlich ASMC
Horze – funktionale Reitbekleidung zu fairen Preisen aus dem hohen Norden
Merino Wolle, bzw. Schaf – Wikipedia Artikel
Icebreaker – Funktionskleidung aus Merinowolle

Fazit

Wenn trotz all dieser Tips doch nochmal etwas schmerzhaft erfriert hilft in letzter Instanz nur noch eines: runter vom Pferd und Füße wie Hände beim Laufen bewegen und danach ab vor den Kamin oder in die warme Wanne, mit einer schönen Tasse heißem Kakao.

Das war es mit den Equine Blog Tips zum Reiten bei kalten Temperaturen. Für Anregungen und Fragen steht euch wie immer der Kommentarbereich zur Verfügung. Wie reitet ihr im Winter? Was hält euch warm? Was ist euer Geheimtip?

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Eine Antwort auf Fit für den Winter
  1. jaja wer kennt es nicht. Nach dem Reiten direkt an den Kamin und unter die Kuscheldecke. Ich denke so geht es zur kalten Jahrszeit uns allen :-P

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