Equitana 2013 de

Zu Gast auf dem Barockpferde Tag

Ab heute ist sie für dieses Jahr vorbei: Die Equitana – Weltmesse des Pferdesports. Fast 20.000 Besucher zählte sie durchschnittlich pro Tag, die begeistert Innovationen betrachteten, sich die Einkaufstaschen füllten und nicht zuletzt die Pferde 40 verschiedener Rassen bestaunten. Der letzte Samstag der Messe stand im Zeichen der Barockpferde – Ich war für Equine Blog dabei und berichte über Eindrücke, Fakten und Empfehlungen.

Besucher und Aussteller

Pferdewelt im Kaufrausch

Was für Veranstalter und Aussteller ein Erfolg ist, kann für den Besucher zur echten Qual werden, denn jeder weiß: die 172.000 Besucher verteilen sich nicht gleichmäßig auf die 9 Tage der Veranstaltungen. Am Wochenende ist es normalerweise voll, richtig voll, und so war es auch am Samstag. Insbesondere durch die engen Gassen zwischen den zahlreichen Verkaufsständen mit Reitsportbekleidung und -zubehör, die immerhin 5 ganze Hallen füllten, drängten sich die eifrigen Schnäppchenjäger in dichten Kolonnen. Wie auch schon vorher in Diskussionen in Internet-Foren zu lesen war, ist die Equitana für viele Reitbegeisterte vor allem eines: Ein riesiges Einkaufszentrum. So schreibt auch die Equitana abschließend, dass etwa 75% der Besucher die Messe für neue Anschaffungen nutzten. Wow.

Pferde hautnah

Zum Glück lichtete sich die Menge in den Hallen der Aussteller mit Pferd ein wenig und trotz des großen Andrangs konnte man an den kleinen Ringen in den Hallen jederzeit gut sehen und das interessante Programm verfolgen. Ganz anders in Halle 6, dem sogenannten “Großen Ring”. Wer dort keinen Sitzplatz reserviert hatte, der musste mitunter eine ganze weile am Tribüneneingang anstehen, um auf einen frei gewordenen Platz zu warten. Positiv zu bewerten ist, dass man daraufhin von einem freundlichen Mitarbeiter eingewiesen wurde und so kein unnötig langes Suchen entstand, welches sicher sowohl den Suchenden, als die bereits sitzenden Zuschauer gestört hätte. Insgesamt kann ich die Organisation auf der Equitana wieder als gelungen bewerten.

Kunst und Kultur

Für meinen Geschmack zu kurz kamen wie jedes Jahr die Künstler und andere Randerscheinungen der Pferdewelt. Zwar waren sowohl die Edition Boiselle - die ihr neues Buch “Die schönsten Pferde der Welt” vorstellte, über das auch Equine Blog noch berichten wird - als auch Jan Künster und John Read sowie einige andere mit schönen Ständen vertreten, doch teilten sich diese ihr Areal in der vergleichsweise kleinen “Galeria” Halle mit Imbisständen, Getränke- und Pralinenverkäufern und dem obligatorischen ADAC-Umfrage-Stand. Neues entdecken konnte man dort nicht viel. Schade.

Einmal um die ganze Welt

Dass die Equitana sich nicht umsonst “Weltmesse des Pferdesports” nennt, bewiesen nicht nur die 20% ausländischer Besucher ( 7%, also etwa 12.000 sogar aus Übersee), sondern auch die wirklich aus aller Welt stammenden Rassen mit zum Teil kunstvoll landestypisch gestalteten Ständen. Im Islanddorf – in dem ich allerdings keine Ponys finden konnte – servierte man typisch skandinavische Häppchen und direkt Nebenan präsentierten sich die Fjordfreunde zum Teil in gemütlichen Holzhütten. Am auffälligsten jedoch, war der mit großen orientalischen Torbögen gestaltete Stand der Royal Cavalry des Sultanat Oman, direkt hinter dem Ring, in dem vor wenigen Minuten noch Trakhener präsentiert wurden. Da kann selbst Phineas Fogg (“In 80 Tagen um die Welt”) einpacken.

Vorstellungen

Positiv aufgefallen ist mir vor allem, dass scheinbar auch die Organisatoren der Equitana den Zeitgeist erfasst haben und dem Pferdefreund vieles zum Thema gesunderhaltendes und klassisches Reiten geboten wurde. Hat vor zwei Jahren noch Anky van Grunsven im großen Ring ihre Rollkur-Methode vorgestellt,  überwogen dieses Jahr doch die Vorstellungen und Vorträge von Xenophon, oder eher pferdefairen Sportgrößen wie Hinrich Romeike oder Uta Gräf. Ob dies nun als Statement verstanden werden kann, oder durch die in der Bevölkerung wachsende Ablehnung zweifelhafter Methoden Angst vor Kritikstürmen wegweisend war, sei dahin gestellt. Fakt ist, dass viele Positivbeispiele sowohl im Sport als auch im Freizeitbereich, so manchen Besucher dazu gebracht haben dürfen, den Umgang mit seinem Pferd nochmal zu überdenken.

 

Vertrauenssache Vielseitigkeit

Eines dieser positivbeispiele war Hinrich Romeikes 30 Minütige Vorstellung “Vertrauenssache Vielseitigkeit”, bei der zwei junge Reiterinnen, angeleitet durch den zweifachen Olympiasieger, ihre Pferde mit einfachen Aufgaben gymnastizieren. Durch Trabstangen auf der gebogenen Linie, oder das zum Teil massive verkürzen der Galoppsprünge zwischen zwei Cavalettis sollten die Pferde auf die Hinterhand geholt werden, um gesund und dynamisch unter dem Reiter zu laufen und schließlich scheinbar mühelos den Sprung über einen schmalen Sessel zu absolvieren.

 

Barockpferde Cup

Ein Highlight des Barockpferdetages war natürlich der Barockpferdecup, bei dem die jeweils besten drei Reiter aus einem Vorentscheid in einer M und S-Dressur Kür in Kostüm antraten. Einsame Spitze war dabei  André Keus. Der Pferdewirtschaftsmeister aus Schermbeck dominierte in beiden Prüfungen mit einer rundum harmonischen Vorstellung und kassierte somit absolut verdiente Topnoten von 8,3 und 8,7. Seine Prüfung war ein absoluter Höhepunkt an feinem, harmonischen Reiten, mit wolkenhaft schwebenden Hengsten und einem Reiter, der wahrhaftig eins mit diesem Tier geworden zu sein schien. Einfach ganz große Klasse!

Die Schattenseiten

Richtige Aufreger habe ich dieses Jahr wenige gesehen, vom Westernpferd bis zum Isländer, waren vielleicht nicht alle vorstellenden Paare die Harmonie in Person, doch allzu groben und rücksichtslosen Umgang konnte ich nicht beobachten. Ein trauriger Höhepunkt war jedoch die kurze Vorstellung des Tennessee Walking Horses. Auch wenn die Meinungen darüber, wie viel ein Pferd ohne gesundheitliche Schäden tragen kann, sicherlich auseinander gehen, präsentierte sich den Zuschauern ein derart übergewichtiger Mann auf einem solchen Pferd, das es mir – und ich hab den Eindruck, dass ich nicht der einzige war – beinah die Sprache verschlug. Leider war der Abend zu fortgeschritten, um den Aussteller nach der Vorführung ausfindig zu machen und darauf anzusprechen. Ein Ausschnitt der fragwürdigen Vorstellung, konnte ich aber aufnehmen und werde ihn euch in absehbarer Zeit auf YouTube zur Verfügung stellen.

Alles in allem

war es ein gelungener Tag. Die Verkaufsstände habe ich größtenteils gemieden um mich mehr mit den ausgestellten Pferden und Informationsveranstaltungen zu befassen. Wer ausgiebig einkaufen, aber auch viel Erleben möchte, dem rate ich mindestens zwei Tage zum Besuch der Equitana einzuplanen. Klug war es auch, das Ticket vorher online zu beziehen, um nicht am Tag des Messebesuchs ewig an der Kasse anzustehen.

Leider konnte ich aufgrund eines Kameradefekts keine eigenen Fotos schießen um das Geschrieben zu untermalen und muss mich daher mit dem von der Equitana zur Verfügung gestellten Pressematerial begnügen. Trotz mangelnder Anschauung sei aber gesagt: ein Besuch auf der Equitana ist jedem Pferdefreund – ob groß oder klein – zu empfehlen.

Die Messe in Essen findet nur alle zwei Jahre statt und ist somit erst vom 14.-22. März 2015 in Essen zu sehen. Wer so lange nicht warten möchte, besucht 2014 die Equitana Open Air in Neuss.

Salim

2 Antworten auf Equitana 2013
  1. Unfassbar, was die Equitana immer wieder für Menschenmassen anlockt und was es doch immer wieder für Neuigkeiten rund um den Pferdesport gibt! Mein Besuch dort hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich habe mich gefreut, das dieses Mal speziell die Barockpferde gewürdigt wurden!

  2. Es gibt immer wieder viele Neuigkeiten, die auf der Equitana vorgestellt werden und sie ist alle 2 Jahre einen Besuch wert.

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